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Die Lust am
Platteln und die Liebe zur Heimat veranlaßte im Sommer 1924 gut ein Dutzend junger
Menschen, sich zu einem Verein zusammenzuschließen. Es waren vornehmlich Holzknechte aus
dem Allgäu, die aufgrund einer Borkenkäferplage in ihrer Heimat erwerbslos geworden
waren und hier neue Arbeit fanden. Als Ziel der offiziellen Gründung im darauffolgenden
September nennt das Protokoll:
„Pflege
des Heimatsinnes und der Heimatliebe, Ehrung von Vätersitte
und
Heimatbrauch, Hochhaltung bayerischer Volkstrachten.“
Bald schon
zeigte sich, wie schwierig es war, sich in der Öffentlichkeit durchzusetzen. Dennoch
wurde beharrlich weiter um Mitglieder geworben.
1925 traten die
„Die lustigen Oberlandler - Karlstadt“
der Vereinigung der Gebirgstrachtenvereine links der Donau, Sitz Nürnberg, bei. Der
Besuch zahlreicher auswärtiger Trachtenfeste und die aktive Beteiligung an vielen
Karlstadter Veranstaltungen ließen den Verein in den folgenden Jahren in der
Öffentlichkeit allmählich immer mehr an Boden gewinnen. Durch den Beitritt der
Vereinigung links der Donau zum Reichsverband wurde 1929 auch für den Karlstadter Verein
der Anschluß an diesen Verband vollzogen.
Es dauerte
nicht lange, bis der Ruf nach einer bodenständigen fränkischen Tracht immer lauter
wurde. In den folgenden Jahren bemühte sich vor allem der damalige Vorsitzende Ludwig Außenhofer um die Beschaffung alter
fränkischer Trachten und in mühevoller Kleinarbeit wurden überall in der Gegend viele
in Vergessenheit geratene Volkslieder gesammelt.
Im Dritten
Reich kam die automatische Auflösung des Vereins durch die Eingliederung in die
NS-Kulturgemeinde. Hier war es nun die Sing- und
Spielgruppe unter Valentin Kitz, die es
verstand, sich die nötige Selbständigkeit zu bewahren, um den Vereinszielen auch
weiterhin dienen zu können. Aufgrund ihrer hervorragenden musikalischen Leistungen war
die Gruppe von 1936 - 1939 wiederholt im Bayerischen Rundfunk zu hören, zum Teil im
Abendprogramm als Direktübertragung aus Karlstadt. Der Krieg und seine unmittelbaren
Folgen geboten eine Zwangspause bis zum Jahr 1950.
Am 29. April
1950 wurde auf Initiative von Ludwig Außenhofer der Verein als
„Heimat-
und Volkstrachtenverein Karlstadt“
wieder
gegründet und mit neuem Leben erfüllt. Gelungene Heimatveranstaltungen und aktive
Beteiligung am öffentlichen Leben rückten die „Trachtensache“ rasch in den
Blickpunkt und trugen dazu bei, dass der Verein als Kulturträger stetig an Bedeutung
gewann.
Vor allem durch
die Mitgestaltung der 750-Jahrfeier der Stadt Karlstadt gewann der Verein rasch neue
Freunde und Mitglieder. 1953 fand in der Vereinsführung ein Wechsel statt. Der gerade
22jährige Franz Josef Keller wurde zum
Vorsitzenden gewählt. Bereits ein Jahr später richtete der Verein das unterfränkische
Bezirkstrachtenfest aus. Höhepunkt des Festes war die Weihe der neuen Vereinsfahne durch
Stadtpfarrer Paul Steinert. Ein bedeutender Augenblick war es auch, als im Rahmen der
Feierlichkeiten zum erstenmal die neue
Trachtenhymne - verfaßt von Helmut Kitz
und vertont von Rektor Andreas Mallad -
gesungen wurde, die sich inzwischen die gesamte bayerische Trachtenbewegung zu eigen
gemacht hat. Mit der erfolgreichen Ausrichtung des Bezirkstrachtenfestes 1954 zum
30jährigen Bestehen wurde auch die finanzielle Basis für die weitere Vereinsarbeit
geschaffen. 1955 wurde auf Initiative von Franz Josef Keller die Maibaumaufstellung wieder
eingeführt und 1957 die Nikolaus-Aktion ins Leben gerufen. Noch heute gehören diese
beiden Veranstaltungen - ebenso wie seit 1978 das Tanzfest im Historischen Rathaussaal -
zu den festen Bestandteilen des jährlichen Veranstaltungskalenders.
Irma Kunz wurde
erste Jugendleiterin des Vereins und formierte in kurzer Zeit eine stattliche Jugendgruppe
und Schneidermeister Hans Hammer fertigte die ersten Jugendtrachten.Bereits 1961 wurde
Karlstadt erneut Austragungsort für das unterfränkische Bezirkstrachtenfest und zum
50jährigen Bestehen des Vereins im Jahr 1974 war Karlstadt wieder Gastgeber, diesmal für
das Gautrachtenfest mit annähernd 100 Vereinen - das wohl größte Fest in der
Stadtgeschichte. Der Karlstadter Trachtenverein genießt in der gesamten bayerischen
Trachtenbewegung hohes Ansehen. Franz Josef Keller und Hella Hanke gehören der
unterfränkischen Bezirksvorstandschaft an und sind in den verschiedensten Gremien des
bayerischen Trachtenverbands tätig. Einladungen, wie die zur Schlußfeier der Olympischen
Spiele 1972 in München, zum Weltwirtschaftsgipfel 1992 und zum Besuch des japanischen Kaiserpaares
1993 in München oder zum Antrittsbesuch des neuen Bundespräsidenten Herzog in der
Landeshauptstadt 1994 beweisen die Wertschätzung, die dem Heimat- und Volkstrachtenverein
allerseits entgegengebracht wird.
Der Heimat- und
Volkstrachtenverein hat Karlstadts Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit entscheidend
mitgeprägt und ist Werbeträger der Stadt weit über deren Grenzen hinaus.
Gemäß dem
Wahlspruch:
Sitt’
und Brauch der Alten wollen wir erhalten,
ist
der Heimat- und Volkstrachtenverein überall dort zu finden, wo es gilt, fränkische
Tracht und heimatliches Brauchtum zu pflegen, zu erhalten und zu repräsentieren.
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